Talsohle für Lenzing durchtaucht

Die Lenzing AG konnte in einzelnen Produktsegmenten weitere Preisanhebungen durchsetzen. In Asien hat die enorme Abwertung der lokalen Währungen gegenüber dem US-Dollar (indonesische Rupiah ca. 1/3 seit 21. Juli 1997) zu einer anhaltenden Verunsicherung der Märkte geführt. Es konnten Preiserhöhungen zum Ausgleich der auf Dollarbasis verrechneten und daher stark gestiegenen Rohstoffkosten und Kreditzinsen umgesetzt werden. Weitere Preisanpassungen sind noch notwendig. In den USA ist der Viskosefaserverbrauch in den ersten neun Monaten 1997 weiter zurückgegangen.

Entwicklung der einzelnen Gesellschaften

Die Lenzing AG konnte im dritten Quartal ihre Kapazitäten dank guter Mengennachfrage bei Viskose und Zellstoff sowie verbessertem Produktmix (Spezialfasem) wieder voll ausfahren. Das Ergebnis war klar positiv. Auch in den Geschäftsbereichen Papier, Folien und Technik der Lenzing AG wurden klar positive Erträge erzielt. Die Umsetzung des Effizienzsteigerungsprogrammes wurde weiter beschleunigt und hat neben günstigeren Rohstoffpreisen bereits deutlich zur Ergebnisverbesserung beigetragen. Der Brutto-Cash-Flow der Lenzing AG lag in den ersten neun Monaten mit 553,8 Mio ÖS erfreulich über dem Vojahresvergleichswert von 461,9 Mio ÖS. Die Bemühungen der Lenzing AG um Wiederherstellung fairer Wettbewerbsbedingungen in Europa haben erste Erfolge gezeigt. Die EU-Wettbewerbsbehörde hat ein Prüfungsverfahren gegen Spanien wegen Verdachtes auf unzulässige Beihilfen an ein spanisches Viskosefaseruntemehmen gestartet.

Lenzing Lyocell konnte die Tagesproduktion im dritten Quartal sehr rasch auf Vollkapazität bei guter Qualität heben. Der Geschäftsverlauf bewegt sich im Rahmen der erwarteten Anlaufkurve. Die Kundenreaktionen sind äußerst vielversprechend. Am 17.Oktober 1997 fand die offizielle Eröffnung des neuen Lyocellwerkes in Heiligenkreuz im Burgenland statt.

Unsere Beteiligungsgesellschaft South Pacific Viscose konnte dank wieder verbesserter Mengennachfrage den Versand im dritten Quartal deutlich steigem, wenngleich die Erlöse erheblich hinter den Erwartungen zurückblieben. Das Ergebnis ist operativ ausgeglichen, wird jedoch durch die indonesische Währungskrise belastet und ist insgesamt daher negativ. Ein bereits im Frühjahr 1997 begonnenes Programm zur Kosten und Produktionsoptimierung zeigt die ersten Erfolge.

Bei Lenzing Fibers Corp. / USA konnte trotz der schwierigen Lage der US-Textilindustrie und damit verbundener Forderungsausfälle eine Stabilisierung des Geschäftsverlaufes erreicht werden. Die Produktionsmenge wurde der schwachen Inlandsnachfrage angepaßt. Das im Frühjahr gestartete neue Kostensenkungsprogramm, zusätzlich im Sommer eingeleitete Maßnahmen und eine Reduktion der Produktionsmenge führten zu einem Personalabbau um 18% auf numnehr 439 Mitarbeiter per Ende September. LFC konnte in den ersten drei Quartalen 1997 einen positiven Cash Flow erwirtschaften, das Ergebnis war negativ.

Bacell S.A. konnte im dritten Quartal Erfolge in der Produktion und im Verkauf neuer, hochwertiger Zellstoffqualitäten erzielen. Die anhaltende Überbewertung der brasilianischen Währung gegenüber dem US-Dollar hat jedoch einen gravierend negativen Einfluß auf die Kostenstruktur dieses stark von Exporterlösen abhängigen Unternehmens. Wegen des weltweit schwachen Viskosemarktes blieben die Verkaufsmengen- und Preise bei Norrnalzellstoff weiter hinter den Erwartungen zurück. Das Ergebnis war negativ.

Vorschau auf das Jahresergebnis 1997

Für die Lenzing AG erwarten wir 1997 ein gegenüber dem Vorjahr erheblich verbessertes operatives Ergebnis. Das EGT, welches im Vojahr durch einmalige Erträge (Verkauf des Geschäftsbereiches High Performance Products, Verkauf der Anteile an den Austria Faserwerken, Rückerstattung von Außenhandelsförderungsbeiträgen) stark positiv beeinflußt worden war, wird voraussichtlich an 1996 anschließen.

Lenzing Lyocell wird als Start Up Projekt erwartungsgemäß im Rahmen der Anfahrkurve abschließen.

Positiver Cash Flow in US-Tochter

Bei South Pacific Viscose ist operativ mit Verbesserungen, auf Grund der Währungsverschiebungen und der schwachen Viskosefaserpreise in Asien in Summe aber mit einer Verschlechterung des 1996 nahezu ausgeglichenen Ergebnisses zu rechnen. Bei Lenzing Fibers Corp. wird im Gegensatz zu 1996 ein positiver Cash Flow erwirtschaftet werden, das Ergebnis wird jedoch negativ ausfallen. Ebenso wird Bacell S. A. negativ abschließen.

Für den Lenzing Konzern bedeutet dies, daß die verbesserte Ertragsentwicklung der Lenzing AG nicht ausreicht, die Verluste bei den Beteiligungen auszugleichen. Produktions- und Versandmengen sowie Erlöse bei LFC, vor allem aber - währungsbedingt - die Umsätze bei SPV werden 1997 niedriger als erwartet ausfallen. Der konsolidierte Jahresumsatz der Lenzing Gruppe wird daher unter den früheren Erwartungen liegen. Zusätzlich ist in der Konzernbilanz 1997 im Beteiligungsbereich für weitere Restrukturierungen mit Vorsorgen zu rechnen. Das Konzern-Jahresergebnis wird daher, wie bereits mehrfach angekündigt, schlechter ausfallen als 1996. Mit den 1997 getroffenen Vorsorgen dürfte der notwendige Restrukturierungsaufwand der kommenden Jahre weitestgehend abgedeckt sein. Der Vorstand ist überzeugt, daß 1997 die Ergebnistalsohle erreicht wurde und 1998 infolge der massiven Restrukturierungsaktivitäten ein verlustfreies Konzernergebnis selbst bei unverändert schwachen Marktbedingungen dargestellt werden kann.