Notfallmanagement

Sehr geehrte Gemeindebürger von Lenzing, liebe Anrainer!

Die Produktionsanlage der Lenzing AG am Standort Lenzing ist das größte integrierte Zellstoff- und Viscosefaserwerk der Welt. Durch intensivste finanzielle Anstrengungen ist es uns in den letzten Jahren gelungen, unsere Produktionsanlagen hier in Lenzing vor allem im Bereich der Sicherheit und des Umweltschutzes so auszustatten, dass wir heute weltweit als Vorreiter und Vorbild in unsere Branche gelten.

Unsere Hauptprodukte sind Cellulosefasern für die Textil- und Nonwovensindustrie. Im  Standortverbund  Lenzing werden aber von dritten Unternehmen auch Papier und Plastics-Produkte sowie  Spezialfasern für technische Verwendungszwecke und der Süßstoff Xylit produziert.

Wir nehmen unsere soziale und ökologische Verantwortung sehr ernst!

Einige der Produktionsanlagen unterliegen der Störfallinformationsverordnung, die uns dazu veranlasst, Sie über theoretische Gefahren, die aus dem Betrieb der Anlagen entstehen könnten, zu informieren.

Wir sind davon überzeugt, dass die Wahrscheinlichkeit äußerst gering ist, dass theoretisch denkbare Unfälle mit Gesundheitsgefährdung unserer Mitarbeiter und Nachbarn  auftreten werden Trotzdem sehen wir uns verpflichtet, auch unwahrscheinliche Szenarien aufzuzeigen und sämtliche Möglichkeiten durchzudenken.

Das gibt uns und Ihnen die Sicherheit, dem Zufall so wenige Chancen wie möglich einzuräumen und unsere Verantwortung gegenüber Mensch und Umwelt zu beweisen.

Dies ist der Grund, warum wir Ihnen diese Informationen zur Verfügung stellen.

Alle unsere Betriebe sind mit modernen, dem Stand der Technik entsprechenden Anlagen ausgestattet, die durch die zuständigen Behörden geprüft und genehmigt wurden. Außerdem werden sie laufend den neuesten Erkenntnissen des Betriebes und der Technik angepasst.

Durch unsere hohen Sicherheitsstandards, deren Eckpfeiler Menschen mit hoher fachlicher Kompetenz und eine aufwändige Technik darstellen, werden Unfälle mit sehr großer Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen.

Wenn trotz aller unserer Vorsichtsmaßnahmen dennoch ein solcher Unfall passiert, wollen wir Ihnen einen sachlichen, klar formulierten Überblick über mögliche Gefahren und das richtige Verhalten geben.

Erläuterung der Tätigkeiten in den Betriebsbereichen

Für die Zellstofferzeugung wird Buchenholz verwendet. Im „Kochprozess“ zur Zellstofferzeugung wird flüssiges Schwefeldioxid und Magnesiumoxid für die Kochsäurebereitung benötigt. Der erzeugte Zellstoff, Natronlauge und Schwefelkohlenstoff werden für die Viscoseerzeugung benötigt. Schwefel wird für die Herstellung der im Spinnprozess benötigten Schwefelsäure verwendet, weiters finden verschiedene Chemikalien für die Bleiche und Nachbehandlung der Zwischen- und Endprodukte Verwendung. Die Rohstoffe und Chemikalien werden über Straße oder Schiene angeliefert. Mehrere Rückgewinnungsanlagen dienen zur Wiedergewinnung der Einsatzchemikalien, und zwar sowohl im Zellstoffproduktionsprozess für die Rauchgasreinigung und Schwefeldioxidrückgewinnung als auch im Faserherstellungsprozess für die Rückgewinnung des Schwefelkohlenstoffs.

Weitere Anlagen dienen der Herstellung von Koppelprodukten, wie Furfural und Essigsäure, die als Bestandteil des Holzes während der chemischen Umsetzungen freigesetzt werden und in eigenen Verfahren zu Produkten aufgearbeitet und anschließend verkauft werden. Ebenso wird Natriumsulfat als Koppelprodukt der Faserherstellung erzeugt.

Für die Versorgung mit der notwendigen Energie und Hilfsenergie stehen eine Reihe zusätzlicher Betriebsanlagen in Verwendung. Ergänzt werden die Anlagen um die Industriekläranlage des Wasserreinhaltungsverbandes Lenzing - Lenzing AG, die eine der größten derartigen Anlagen in Österreich darstellt.

Da im Produktionsprozess auch Gefahrstoffe gemäß der „Industrieunfallverordnung“ eingesetzt werden, unterliegen wir dieser gesetzlichen Grundlage und in der Folge auch der daraus abgeleiteten Informationsverpflichtung unserer Anrainer nach der „Störfallinformationsverordnung“. Industrieunfälle im Sinne der „Industrieunfallverordnung“ können nur in Anlagenbereichen der Zellstoff- und Faserproduktion und der dafür erforderlichen Hilfsenergieversorgungs- und Rückgewinnungsanlagen auftreten.

Stoffe und Zubereitungen, von denen ein Störfall ausgehen könnte und deren wesentliche Gefahreneigenschaften

In der „Industrieunfallverordnung“ ist eine Liste von Stoffen angegeben, die aufgrund ihrer Eigenschaften zu besonderer Sorgfaltspflicht bei deren industrieller Verwendung Anlass geben. Werden einer oder mehrere dieser Stoffe in einem Unternehmen über einer im Gesetz festgelegten Mengenschwelle verwendet, so hat das Unternehmen besondere Sicherheitspflichten:

Es muss mit einem Sicherheitsbericht gegenüber der Behörde den Nachweis erbringen, dass Unfälle, die zu einer Gefährdung von Personen oder der Umwelt führen könnten, durch entsprechende Sicherheitsmaßnahmen vermieden werden. Am Standort Lenzing werden insgesamt vier dieser Chemikalien über den im Gesetz genannten Mengenschwellen gehandhabt.

In der nachfolgenden Tabelle sind die wichtigen Merkmale dieser vier in größeren Mengen eingesetzten Gefahrstoffe aufgezeigt.

Alle diese Stoffe weisen einen typischen intensiven Geruch auf und sind bereits sehr lang vor einer gesundheitlichen Gefährdung daran erkennbar. Ein unbemerktes Auftreten dieser Stoffe kann daher ausgeschlossen werden.

Maßnahmen zur Verhinderung von Störfällen und Begrenzung von Auswirkungen

  • Alle chemischen Prozesse und Reaktionen laufen in geschlossenen Systemen unter Einsatz modernster Meß-, Regel- und Steuerungstechnik ab.
  • Anlagensicherheit zur Vermeidung von Betriebsstörungen und Unfällen ist bei Planung und Betrieb von vorrangiger Bedeutung.
  • Alle Sicherheitskonzepte sind mehrstufig ausgelegt.
  • Die Anlagen werden von hervorragend ausgebildetem und regelmäßig geschultem Personal betrieben, instandgehalten und geprüft. Alle Betriebs- und Kontrolltätigkeiten werden nach wirkungsvollen Qualitäts- und Umweltmanagementstandards abgewickelt.
  • Die Anlagen werden nach den gesetzlichen Bestimmungen von internen oder externen Sachverständigen (z.B. TÜV) regelmäßig geprüft.
  • Die Sicherheit wird durch Sicherheitsaudits und Sicherheitsanalysen von internen Stellen sowie externen Organisationen laufend überprüft.
  • Eine Wassergefährdung wird durch die Ausführung des Kanalnetzes sowie die darin installierten Kontroll- und Rückhalteeinrichtungen inklusive Notauffangbecken vermieden.
  • Der Betriebsstandort Lenzing verfügt über eine bestens ausgerüstete und erfahrene Betriebsfeuerwehrorganisation.
  • Für den Fall des Falles ist eine wirkungsvolle Notfallorganisation vorbereitet, die mit der zuständigen Katastrophenbehörde detailliert abgestimmt ist.

Dieser Notfallplan liegt bereits seit vielen Jahren vor und wird regelmäßig an die neuen technischen und organisatorischen Entwicklungen angepasst. Übungen, (die vielfach auch von Außenstehenden beobachtet werden können), dienen der Überprüfung der Wirksamkeit.

Die Abstimmung mit der Sicherheitsbehörde

Für die Zusammenarbeit mit der Behörde im Falle eines Unfalls haben wir einen standortbezogenen Notfallplan entwickelt. Dieser Notfallplan enthält u.a. die Alarmierungslisten, Vorgangsweise bei Bildung und Organisation eines Krisenstabes sowie Hinweise für die  Einsatzkräfte und wird regelmäßig aktualisiert. Er wurde auch mit der zuständigen Behörde abgestimmt.

Darüber hinaus sind für die gefährlichen Anlagenbereiche zusätzliche, anlagenspezifische Notfallpläne festgelegt, durch die eine Ausweitung eines eingetretenen Zwischenfalls über unsere Werksgrenzen mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit vermieden wird.

Dieser Notfallplan liegt bereits seit vielen Jahren vor und wird regelmäßig an die neuen technischen und organisatorischen Entwicklungen angepasst. Übungen, (die vielfach auch von Außenstehenden beobachtet werden können), dienen der Überprüfung der Wirksamkeit.

Für weitere Informationen steht Ihnen auch die Bezirkshauptmannschaft Vöcklabruck zur Verfügung (Tel. 07672/ 702/ 0).

Warnung und fortlaufende Information über den Verlauf eines Störfalles

Eine der wichtigsten Aufgaben bei Eintritt einer Gefahrenlage ist die schnellstmögliche Information und Warnung der möglicherweise betroffenen Personen. Die Information erfolgt in Abstimmung mit der Behörde.

Je nach Lage und Möglichkeit können einzeln oder gleichzeitig folgende Warnmittel benutzt werden:

  • Lautsprecherdurchsagen durch Polizei oder Feuerwehr
  • Durchsagen im Rundfunk, Sender Radio Oberösterreich, Ö3, Krone Hitradio, LIFE-Radio und Radio Salzkammergut.
  • Sirenensignale durch die Werkssirene und/oder die Sirenen der umliegenden Gemeinden kombinierte Warnungsabläufe

Erfolgt eine Warnung, beachten Sie bitte die Lautsprecher- oder Rundfunkdurchsagen. Im Gefahrenfall wird die Katastrophenschutzbehörde gemeinsam mit den Einsatzkräften und der Betriebsfeuerwehr der Lenzing AG die erforderlichen Maßnahmen einleiten und durchführen.

Verhalten im Störfall

Sollte es trotz aller technischen und organisatorischen Vorkehrungen dennoch zu einem Zwischenfall kommen, so ist neben Bränden und Explosionen die Freisetzung giftiger und ätzender Stoffe eine mögliche Gefahrenquelle.

In einem solchen Fall können Auswirkungen außerhalb des Werksgeländes je nach Art des Unfalls nicht völlig ausgeschlossen werden.

Durch Freisetzung von Gefahrstoffen könnten im Ernstfall Belastungen der Luft auftreten, die in der Folge zu Belästigungen oder gesundheitlichen Beeinträchtigungen, wie Reizungen der Augen und Atemwege, Husten sowie Kopfschmerzen und Übelkeit führen könnten.

Als auslösende Stoffe kommen lediglich Schwefeldioxid, Schwefelkohlenstoff oder Ammoniak in Frage. Wegen der im Brandfall eventuell entstehenden Rauchwolken sind dieselben Vorsichtsmassnahmen empfehlenswert wie bei Freisetzung von Gasen.

Aufgrund der vorhandenen Sicherheitseinrichtungen, Sicherheitsvorkehrungen und Notfallmaßnahmen kann eine derartige Gefährdung, wenn überhaupt, nur kurzzeitig auftreten.

Nicht  jede Störung des Betriebes ist ein Industrieunfall. Durch Betriebsstörungen kann es fallweise zu sichtbaren oder hörbaren Auswirkungen kommen, die jedoch zu keiner Gesundheitsgefährdung führen.

Eine Geruchsbelästigung stellt in aller Regel noch keine Gesundheitsgefährdung dar. Die Geruchsschwellen der am Standort eingesetzten Gefahrstoffe liegen sehr weit unter den gesundheitsbeeinträchtigenden Schwellenwerten!

Wir möchten hier auch auf den Störfallratgeber des Bundesministeriums für Inneres hinweisen.

Richtiges Verhalten bei Chemieunfällen

Wenn Sie von einem Schadensfall in einer chemischen Anlage oder auch von einem Transportunfall mit gefährlichen Gütern erfahren oder ein derartiges Ereignis beobachten, beachten Sie bitte die auf der folgenden Seite aufgelisteten Hinweise.

Sie tragen damit zu Ihrem persönlichen Schutz und zur wirkungsvollen Hilfe durch die Einsatzkräfte bei.

Zuschauer bringen sich selbst in Gefahr und behindern die Einsatzkräfte!


Auf Lautsprecherdurchsagen achten:
Insbesondere deren genauen Wortlaut! Beachten Sie, ob es sich um eine Information über eine Geruchsbelästigung oder die Warnung vor einer Gefährdung handelt!

Auf Zivilschutzsignale der Sirenen achten:
Siehe Folgeseite. Wenn ein Zivilschutzsignal ausgelöst wurde, bitte ein Rundfunkgerät einschalten und auf Meldungen achten!

Geschlossene Räume aufsuchen:
Möglichst innenliegende Räume in oberen Geschoßen aufsuchen. Schalten Sie Klima- und Lüftungsanlagen ab! Halten Sie sich nicht im Freien auf!

Fenster und Türen schließen:
Damit Schadstoffe nicht eindringen können! Geschlossene Räume bieten einen sehr hohen Schutz gegen das Eindringen von Schadstoffen.

Telefon möglichst nicht benutzen:
Blockieren Sie nicht durch Rückfragen die Telefonverbindungen, auch nicht über Ihr Handy! Anrufe zu Gendarmerie, Rettung und Feuerwehr nur, wenn eine besondere Situation (Feuer, örtlicher Notfall) dies erforderlich macht!

Arzt:
Bei gesundheitlicher Beeinträchtigung Kontakt mit Hausarzt oder Notdienst aufnehmen! Nasse Tücher vor Mund und Nase helfen gegen Reizungen der Atemwege.

Verhalten am Unfallort:
Bleiben Sie dem Unfallort möglichst fern. Sie schützen sich vor Gefahren und ermöglichen den raschen Einsatz der Abwehrkräfte! Zuschauer behindern!! Folgen Sie allenfalls den Anweisungen der Einsatzkräfte!

Entwarnung:
Achten Sie auf die Entwarnung durch Sirenensignal oder die Entwarnungsdurchsagen der Einsatzkräfte oder des Rundfunks!

Das in ganz Österreich einheitliche akustische Warn-und Alarmsystem unterscheidet zwischen drei verschiedenen Signalen.

1. Warnung

1. Warnung

Herannahende Gefahr!

Ein gleichbleibender Dauerton von 3 Minuten bedeutet „Warnung“. Es besteht zur Zeit noch keine akute Gefährdung. Sie müssen sich aber auf eine herannahende Gefahr einstellen. Schalten Sie Ihr Radio- oder Fernsehgerät (ORF) ein, und informieren Sie sich über die weiteren Verhaltensmaßnahmen.

2. Alarm

Gefahr!

Ein auf- und abschwellender Heulton von 1 Minute bedeutet „Alarm“. Verlassen Sie die Straße und suchen Sie schützende Räumlichkeiten auf. Informieren Sie sich unbedingt über Radion oder TV, welche Schutzmaßnahmen Sie ergreifen sollten . Die weiteren Verhaltensmaßnahmen werden Ihnen bekanntgegeben werden.

3. Entwarnung

Ende der Gefahr!

Ein gleichbleibender Dauerton von 1 Minute bedeutet „Entwarnung“. Die Gefahr ist vorbei. Beachten Sie weiterhin die Durchsagen im Radio oder TV, da es vorübergehend bestimmte Einschränkungen im täglichen Lebensablauf geben kann.

Kontakt

Broschüren

  • Information der Nachbarn gemäß Störfallinformationsverordnung BGBL 498/2004 Störfallschutzratgeber
  • Broschüre des Bundesmisterium für Inneres